Beobachtetes Signal · 27. Apr. 2026 · Policy Update · Quelle: techcrunch · Relevanz: 4/5 · Sentiment: Positiv
Europa drängt auf technologische Souveränität und ersetzt US-Software
Europäische Regierungen und Institutionen beschleunigen ihre Bemühungen zur Verringerung der Abhängigkeit von US-Technologien, angetrieben durch Datenschutzbedenken und Gesetze wie den US CLOUD Act. Frankreich verlagert zentrale öffentliche Systeme wie den Health Data Hub von Microsoft Azure weg zu heimischen Anbietern wie Scaleway, während die Europäische Kommission eine Ausschreibung für eine souveräne Cloud im Wert von 180 Millionen Euro an vier europäische Anbieter vergab. Kritiker verweisen auf anhaltende technische und kommerzielle Abhängigkeiten, etwa bei Suchmaschinen oder Cloud-Kooperationen. Zwar wählen Unternehmen aus dem Privatsektor weiterhin US-Lösungen, doch politische Entscheidungsträger hoffen, dass öffentliche Aufträge europäische Cloud-, KI- und Infrastruktur-Alternativen stärken werden.
Verschiebungen im öffentlichen Beschaffungswesen, rechtliche Risiken durch den CLOUD Act und EU-Souveränitätsinitiativen verändern Cloud-Infrastrukturen und Datenresidenzvorgaben grundlegend, wodurch neue Compliance-Anforderungen und strategische Marktchancen entstehen.
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Wichtigste Kernpunkte & Evidenz
- Frankreichs Vertrag für den Health Data Hub wurde an den französischen Cloud-Anbieter Scaleway vergeben, eine Tochtergesellschaft von iliad.
- Die Europäische Kommission vergab eine Ausschreibung für eine souveräne Cloud im Wert von 180 Millionen Euro an vier Anbieter, darunter Scaleway.
- Der US CLOUD Act von 2018 verpflichtet US-Unternehmen zur Herausgabe von Daten an Strafverfolgungsbehörden, selbst wenn diese im Ausland gespeichert sind.
- Mehrere europäische öffentliche Institutionen und Länder ersetzen Microsoft Windows sowie Microsoft Office und Teams durch Linux und Open-Source-Alternativen.
- Große Privatunternehmen wie Lufthansa und Air France haben sich für US-Satelliten- und Kommunikationsanbieter wie Starlink für Dienste wie In-Flight-Wi-Fi entschieden.
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Europa beschleunigt digitale Souveränität angesichts geopolitischer Spannungen
Europäische Regierungen treiben die Reduzierung ihrer Abhängigkeit von US-Technologieanbietern massiv voran und stärken ihre digitale Souveränität. Angesichts geopolitischer Risiken setzen Minister und Behörden verstärkt auf Open-Source-Alternativen, den Ausbau eigener Cloud-Infrastrukturen und höhere Budgets für souveräne Kapazitäten. Laut Synergy Research Group kontrollieren US-Cloud-Anbieter rund 85 Prozent des europäischen Marktes, wobei Hyperscaler wie Amazon, Microsoft und Google allein über 70 Prozent halten. Gartner prognostiziert jedoch, dass die Ausgaben für Sovereign Cloud IaaS in Europa bis 2027 im Vergleich zu 2025 auf 23 Milliarden US-Dollar steigen werden. Konkrete Initiativen umfassen Estlands „Open-Source-First“-Politik, Frankreichs Behörden-Videokonferenztool Visio sowie Dänemarks Tests mit Open-Source-Bürosoftware. Zwar bleibt die Zusammenarbeit mit Hyperscalern in Teilbereichen bestehen, doch diese Entwicklung verändert Beschaffungsstrukturen, Data Localization und Infrastrukturstrategien im gesamten digitalen Ökosystem nachhaltig.
Europa bleibt stark von US-Cloud-Anbietern abhängig
Eine CNBC-Analyse verdeutlicht Europas starke Abhängigkeit von US-Technologieanbietern bei der digitalen Infrastruktur, trotz politischer Bestrebungen nach digitaler Autonomie. Daten der Synergy Research Group zeigen, dass europäische Cloud-Anbieter 2025 weniger als 15 Prozent des Marktes hielten, während Amazon, Microsoft und Google über 70 Prozent kontrollieren. Ein Bericht des Europäischen Parlaments zeigt zudem, dass mindestens 59 Prozent des europäischen Enterprise Software-Marktes in US-Hand liegen, wobei Oracle und Microsoft 18 beziehungsweise 10 Prozent halten. Kritiker warnen vor dem US CLOUD Act, der US-Behörden Zugriff auf Daten amerikanischer Unternehmen unabhängig vom physischen Speicherort gewährt, was Souveränitäts- und Datenschutzbedenken aufwirft. Branchenexperten wie John Dinsdale von Synergy und SAP-Chef Christian Klein betonen, dass Skaleneffekte, globale Reichweite und First-Mover-Vorteile die US-Dominanz zementieren und eine Trendwende für europäische Anbieter erschweren.
EU stellt Plan für technologische Souveränität zur Reduzierung der Big-Tech-Abhängigkeit vor
Die Europäische Kommission hat einen umfassenden Plan zur technologischen Souveränität vorgestellt, um Europas Abhängigkeit von US-amerikanischen und chinesischen Technologieanbietern in den Bereichen Cloud Computing, Künstliche Intelligenz, Halbleiter und Software zu verringern. Das Maßnahmenpaket umfasst Investitionen und regulatorische Anpassungen zur Beschleunigung europäischer Rechenzentren, der Chip-Produktion sowie zur Förderung von Open-Source-Projekten. Ziel ist es, Bedenken hinsichtlich der Kontrolle über kritische Infrastruktur und Datenzugriffe zu adressieren. Während Verbände wie Bitkom und die NCC Group die strategische Ausrichtung begrüßten, kritisierten Grünen-Abgeordnete das Fehlen verbindlicher Maßnahmen und konkreter Finanzierungen. Der Bericht verweist auf erhebliche Marktkonzentrationen – so kontrollieren AWS, Microsoft und Google rund 70 % des europäischen Cloud-Marktes – sowie auf jährliche IT-Dienstleistungsströme von rund 264 Milliarden Euro von Europa in die USA. Der Draghi-Bericht beziffert den zusätzlichen jährlichen Investitionsbedarf auf etwa 800 Milliarden Euro.
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