Beobachtetes Signal · 28. Mai 2026 · Research Publication · Quelle: persoenlich.com News · Relevanz: 3/5 · Sentiment: Negativ
NFP 77: Staatskunde hat Vorrang vor Medienkompetenz
Der Schweizerische Nationalfonds hat die Ergebnisse des Nationalen Forschungsprogramms „Digitale Transformation“ (NFP 77) vorgelegt, einer auf fünf Jahre angelegten Forschungsinitiative mit 46 Teilprojekten und einem Budget von 30 Millionen Franken. Forschende warnen, dass der digitale Wandel traditionelle Geschäftsmodelle im Mediensektor gefährdet, wobei rückläufiger Nachrichtenkonsum mit sinkendem Vertrauen in Institutionen und nachlassender politischer Partizipation korreliert. Der Bericht empfiehlt, staatsbürgerliche Bildung gegenüber isolierten Massnahmen zur Medienkompetenz zu priorisieren. Zudem fordert er mehr Transparenz und redaktionelle Kontrolle bei algorithmischen Nachrichtenempfehlungssystemen sowie beim Einsatz von KI in Newsrooms. Weitere Forderungen umfassen finanzielle Unterstützung für unabhängige Medien sowie die Stärkung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Die Empfehlungen richten sich an Politik, Verwaltung und Industrie, um unabhängigen Journalismus und demokratische Kontrolle zu sichern.
Der Bericht liefert politikrelevante Empfehlungen zu Bildungsprioritäten, Algorithmustransparenz und Medienförderung, die die nationale Medienpolitik sowie die Praxis von Verlagen und Plattformen in der Schweiz massgeblich beeinflussen können.
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Wichtigste Kernpunkte & Evidenz
- Der Schweizerische Nationalfonds veröffentlichte die Ergebnisse des NFP 77 („Digitale Transformation“).
- Das NFP 77 erforschte über fünf Jahre hinweg in 46 Teilprojekten den digitalen Wandel in der Schweiz.
- Forschende empfehlen, staatsbürgerliche Bildung (Staatskunde) zur Stärkung der politischen Partizipation vor Medienkompetenz zu stellen.
- Der Bericht fordert Transparenz und redaktionelle Kontrolle bei algorithmischen Empfehlungssystemen sowie die Prüfung von KI im Journalismus.
- Das NFP 77 wurde vom Bundesrat initiiert und verfügte über ein Budget von 30 Millionen CHF.
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Digital News Report 2026: Schweiz behauptet sich über dem globalen Durchschnitt
Der vom fög der Universität Zürich analysierte Reuters Institute Digital News Report 2026 zeigt weltweit ein Rekordtief beim Journalismusvertrauen von 37 Prozent. Global haben Plattformen Nachrichtenseiten als wichtigste Zugangswege abgelöst. Die Schweiz steht verhältnismässig besser da: Das allgemeine Medienvertrauen liegt bei 42 Prozent, wobei Nachrichtenseiten weiterhin die primäre Quelle bilden und 20minuten.ch als Top-Online-Marke führt. Rund 10 Prozent der Schweizer nutzen KI-Chatbots wie ChatGPT oder Perplexity für Nachrichten, wobei das Vertrauen hier am geringsten ist. Etwa 19 Prozent zahlten im vergangenen Jahr für Online-News, wobei jüngere Kohorten eine höhere Zahlungsbereitschaft zeigen. Sinkendes Nachrichteninteresse und wachsende Plattformabhängigkeit bleiben zentrale strukturelle Risiken für Medienhäuser.
UseTheNews lanciert kostenlosen Online-Kurs zur Nachrichtenkompetenz
Die Schweizer Medienallianz UseTheNews hat einen kostenlosen Online-«Erste-Hilfe-Kurs» zur Stärkung der Nachrichtenkompetenz für 16- bis 20-Jährige gestartet. In Zusammenarbeit mit der E-Learning-Plattform Evulpo und unter wissenschaftlicher Begleitung des IAM der ZHAW vermittelt der Kurs in zwölf Lektionen und vier Modulen Wissen zu digitaler Navigation, Desinformation, dem Schweizer Mediensystem und demokratischer Partizipation. Das Angebot richtet sich neben Jugendlichen auch an Lehrkräfte an Sekundarschulen, Ausbildungsverantwortliche und den Einbürgerungskontext. Gleichzeitig mit dem Start beginnt eine Evaluationsphase. Finanziell unterstützt wurde die Entwicklung von der Medien- und Unternehmungsförderungsstiftung Fers. UseTheNews ist ein Zusammenschluss von Keystone-SDA, SRG und dem Verlegerverband Schweizer Medien (VSM).
SwissMediaForum: Überlebenskampf, KI-Herausforderungen und Kooperationskultur in der Schweizer Medienlandschaft
Auf dem SwissMediaForum in Luzern diskutierten die Spitzenköpfe der grössten Schweizer Medienhäuser – darunter Pietro Supino (TX Group), Felix Graf (NZZ), Susanne Wille (SRG), Michael Wanner (CH Media) und Marc Walder (Ringier) – unter der Moderation von Eveline Kobler (SRF) über digitale Überlebensstrategien, KI und Plattformdisruption. Marc Walders provokante These, dass digital nur Blick, NZZ und 20 Minuten überleben werden, sorgte für Gegenwind, insbesondere bezüglich subventionierter CH-Media-Resultate. Einig war man sich über die Notwendigkeit klarer Urheberrechtsregeln für KI: Walder unterstützte die Motion Gössi, während SRG-Chefin Susanne Wille anbot, SRG-Distributionskanäle für private Medien zu öffnen, um Reichweiten zu teilen. Die NZZ setzt auf internationale Expansion und KI-gestützte «liquid content»-Formate. CH Media meldete stabilisierte Abonnentenzahlen im zweiten Halbjahr 2025 und verwies auf eine Reuters-Studie, wonach die Zahlungsbereitschaft für Digital-News in der Deutschschweiz auf 22 % gestiegen ist. Die Meinungen zur SRG-Kooperation bleiben gespalten.
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