Beobachtetes Signal · 22. März 2026 · Interview · Quelle: OMR · Relevanz: 2/5 · Sentiment: Neutral
Flink: Aufstieg zur Milliardenbewertung, Liquiditätskrise und Rettung
In einem OMR-Podcast-Interview blickt Flink-Gründer Oliver Merkel auf den rasanten Aufstieg und die Beinahe-Insolvenz des Quick-Commerce-Startups zurück. Flink wuchs im ersten Jahr auf rund 80 Millionen Euro Umsatz, erreichte eine Bewertung von über 2 Milliarden US-Dollar und weckte früh das Interesse von Gopuff. Als entscheidende Wettbewerbsvorteile nennt Merkel eine frühere Einkaufskooperation mit Rewe für bessere Großhandelspreise sowie eine breite Mikro-Hub-Logistik. Ende 2023 geriet das Unternehmen in eine akute Liquiditätskrise, nachdem ein Investor seine Finanzierungszusage zurückgezogen hatte. Dies erzwang Übernahmegespräche unter anderem mit Getir. Schließlich sicherte sich Flink jedoch neue Mittel, vermied einen Verkauf, kehrte in die Profitabilität zurück und setzte den Betrieb fort. Zudem beleuchtet Merkel die Entstehung des Zehn-Minuten-Lieferversprechens, frühere operative Fehler wie das sogenannte Banana Gate sowie seine Pläne für ein neues Unternehmen namens Blocks.
Überlebensstrategien und operative Lehren eines großen europäischen Quick-Commerce-Akteurs sind für Stakeholder aus Handel und Logistik relevant, verändern jedoch die AdTech- und MarTech-Infrastruktur oder -Richtlinien nicht unmittelbar.
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Wichtigste Kernpunkte & Evidenz
- Flink erzielte im ersten Rumpfgeschäftsjahr nach der Gründung (Ende 2020) einen Umsatz von rund 80 Millionen Euro.
- Während seiner frühen Wachstumsphase wurde Flink mit über 2 Milliarden US-Dollar bewertet.
- Zwei Wochen nach dem Start übernahm Flink ein weiteres Unternehmen; sechs Monate nach dem Launch gab es laut Merkel ein Übernahmeangebot von Gopuff über rund 1 Milliarde Euro.
- Eine ausgehandelte Einkaufspartnerschaft mit der Supermarktkette Rewe verschaffte Flink laut Merkel um 20 bis 30 Prozent bessere Einkaufspreise als der Konkurrenz.
- Ende 2023 stand Flink vor einer schweren Liquiditätskrise nach dem Rückzug einer Investor-Zusage, verhandelte über einen Verkauf (unter anderem mit Getir), sicherte sich aber frisches Kapital, vermied die Insolvenz und wurde profitabel.
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Flink-Gründer Oliver Merkel startet KI-Startup Blocks zur Cloud-Optimierung
Flink-Mitgründer Oliver Merkel hat mit Blocks ein neues Berliner Startup gelauncht. Das Unternehmen entwickelt den KI-Agenten 'Major Tom', der Cloud-Infrastrukturen für Startups und Scale-ups überwacht, steuert und optimiert, um insbesondere AWS-Kosten signifikant zu senken. Durch eine exklusive AWS-Partnerschaft und proprietäre Trainingsdaten garantiert Blocks seinen Kunden einen Kostenrabatt von 20 Prozent auf AWS-Dienste. Nach eigenen Angaben wächst das Unternehmen rasant, verdoppelt seinen Umsatz monatlich nahezu und agiert bereits im ersten Geschäftsjahr hochprofitabel. Aktuell betreut Blocks rund 100 Unternehmenskunden. Merkel überträgt dabei zentrale Learnings aus der Skalierung und dem Krisenmanagement von Flink auf das neue Geschäftsmodell. Er betont dabei den strategischen Wert unfairer Wettbewerbsvorteile – analog zur früheren Flink-Kooperation mit Rewe nun in Form der tiefen AWS-Allianz.
Flink baut ein Viertel der Stellen in der Zentrale ab
Der vom Handelsriesen REWE unterstützte Quick-Commerce-Dienst Flink streicht im Zuge einer Restrukturierung infolge eines herausspruchsvollen Marktumfelds jede vierte Stelle in seiner Unternehmenszentrale. Wie die Lebensmittel Zeitung berichtet, betrifft der Stellenabbau rund 25 Prozent der HQ-Mitarbeiter. Operative Einheiten wie etwa Zustellfahrer sind von den Maßnahmen nach Unternehmensangaben hingegen nicht betroffen. Über konkrete Gesamtzahlen zum Personalbestand oder betroffene Führungskräfte wurden im Rahmen der Berichterstattung keine Details genannt. Der Schritt unterstreicht die anhaltenden wirtschaftlichen Herausforderungen im europäischen Quick-Commerce- und Lieferdienst-Sektor, die Unternehmen zu striktem Kostenmanagement zwingen.
Cyberangriff auf Flink: Hacker fordern Lösegeld direkt von Kunden
Nach einem Cyberangriff auf den Schnelllieferdienst Flink haben Hacker persönliche Daten von rund einer Million Kund:innen und 13.000 Mitarbeitenden erbeutet. Da Flink sich weigert, zu verhandeln oder Lösegeld zu zahlen, fordern die Angreifer nun direkt einzelne Kund:innen per E-Mail zur Zahlung von 0,005 Ether (ca. 11,50 Euro) auf, um die Daten nicht zu verkaufen. Diese 'Triple Extortion'-Taktik ist im deutschsprachigen Raum ungewöhnlich. Die gestohlenen Daten umfassen Namen, E-Mail-Adressen, Postanschriften und Telefonnummern, möglicherweise auch Lieferdetails. Flink hat den Vorfall gestoppt, der über ein kompromittiertes Konto eines ehemaligen Mitarbeiters erfolgte, und arbeitet mit Forensik-Experten und Behörden zusammen. Rechtsexperten weisen darauf hin, dass Kund:innen Schadenersatz nach DSGVO fordern können, insbesondere nach einem Urteil des BGH, das den Kontrollverlust über Daten als ersatzfähigen Schaden anerkennt.
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