Beobachtetes Signal · 9. Juli 2026 · Study/Investigation · Quelle: Meedia · Relevanz: 4/5 · Sentiment: Negativ
Claude gerät wegen russischer Propaganda unter Druck
Ein Bericht des Berliner Thinktanks Agora – Digitale Transformation zeigt, dass Anthropics Claude in Antworten auf aktuelle Nachrichten Inhalte aus einem russischen Desinformationsnetzwerk (dem sogenannten Pravda-Netzwerk) zitierte. Dieser Vorfall verdeutlicht ein strukturelles Risiko für Large Language Models: Wenn Systeme auf Open-Web-Quellen zugreifen, können sie manipuliertes Material aufnehmen und verstärken – eine von Forschern als „LLM Grooming“ bezeichnete Praxis. Die Analyse ergab zudem signifikante Unterschiede bei der Quellenauswahl zwischen verschiedenen KI-Modellen: Während ChatGPT und Googles Gemini stärker auf etablierte journalistische Quellen setzten, griffen Claude und Perplexity häufiger auf staatliche oder private Quellen zurück. OpenAI wies den Vorwurf zurück, dass die Quellenauswahl durch kommerzielle Partnerschaften gesteuert werde. Der Vorfall unterstreicht die wachsende regulatorische und reputationsbezogene Herausforderung für KI-Anbieter und das gesamte Medienökosystem.
Die Studie offenbart das systemische Risiko von Large Language Models, Desinformation unabsichtlich zu verstärken, was das Vertrauen von Werbetreibenden und Verlegern schädigt sowie regulatorische und Haftungsfragen im KI- und Medienökosystem verschärft.
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Wichtigste Kernpunkte & Evidenz
- Agora – Digitale Transformation deckte auf, dass Anthropics Claude in Antworten auf aktuelle Anfragen Inhalte aus einem russischen Desinformationsnetzwerk („Pravda“-Netzwerk) verwendete.
- Forscher warnen vor „LLM Grooming“: Massenhaft publizierte, identische Manipulationsseiten können gezielt eingesetzt werden, um Large Language Models zu beeinflussen.
- Die Analyse zeigte unterschiedliche Quellenprofile: ChatGPT und Gemini zitierten primär journalistische Medien, während Perplexity und Claude vermehrt staatliche und private Quellen einbanden.
- OpenAI bestritt den Zusammenhang zwischen Zitationsmustern und kommerziellen Partnerschaften, den Agora impliziert hatte.
- Ein Münchner Gericht bestätigte kürzlich, dass Google in bestimmten KI-Modi für KI-generierte Antworten haftbar gemacht werden kann.
Verknüpfte Unternehmen
5 verknüpfte Unternehmen“According to research by the Berlin thinktank Agora – Digitale Transformation, the Claude language model of the US company Anthropic referen...”
“Update: OpenAI rejects Agora’s assumption that the density of citations has anything to do with commercial cooperations....”
“A recent YouGov study shows that AI chatbots have become the second-most important news source after Google....”
“An earlier investigation by the organisation NewsGuard in 2025 concluded that several leading chatbots repeatedly picked up claims from this...”
“The study links ChatGPT’s frequent references to content from “Welt” and “Bild” to the partnership between OpenAI and Axel Springer....”
Ontologie & Marktkonzepte
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„LLMs sind keine Gehirne“: Experte analysiert Anthropics Forschung zu Claude
Anthropic hat eine neue Methode vorgestellt, die tiefere Einblicke in die internen Mechanismen seiner KI-Modelle bei der Generierung von Ausgaben ermöglicht. Basierend auf Einschätzungen des KI-Experten Will Douglas Heaven ordnet der Bericht diese Erkenntnisse zur Modell-Interpretierbarkeit ein. Anthropic, Entwickler des Chatbots Claude, wird in dem Kontext mit einem Unternehmenswert von nahezu einer Billion US-Dollar beziffert. Neben der Analyse interner Modellstrukturen wird Anthropics Historie provokanter Forschungsprojekte hervorgehoben – darunter Untersuchungen zur hypothetischen Schmerzempfindlichkeit von KI-Systemen. Zudem verweist der Beitrag auf Schutzmechanismen in Claude, die Dialoge automatisch beenden, wenn ein Missbrauch des Modells vermutet wird. Der Bericht stützt sich auf Recherchen von James O'Donnell (MIT Technology Review) und erschien ursprünglich auf t3n.de.
Wir kommunizieren nicht mehr nur für Menschen
Eine aktuelle Analyse beleuchtet, wie generative KI-Systeme wie ChatGPT, Perplexity, Claude und Copilot zunehmend als Informations-Gatekeeper fungieren, indem sie Nutzeranfragen direkt beantworten und Inhalte aus verschiedensten Quellen synthetisieren. Dieser Wandel verändert massiv die Entstehung von Sichtbarkeit und Reputation. Da KI-Zusammenfassungen etablierte, glaubwürdige Quellen bevorzugen, gewinnt die strategische Präsenz in Fachmedien und autoritativen Publikationen stark an Bedeutung. Während operative PR-Aufgaben wie Monitoring, Clipping, Sentiment-Analyse und Reporting automatisiert werden, bleibt die Kernarbeit der Öffentlichkeitsarbeit – Themen setzen, Narrative prägen und Vertrauen aufbauen – unersetzlich. Kommunikation muss Inhalte künftig nicht nur für Journalisten und das menschliche Publikum optimieren, sondern auch für Such-, Analyse- und Answersysteme, um das von KI erzeugte Gesamtbild gezielt zu beeinflussen. Der Autor der Kolumne ist der Schweizer PR-Berater und Agenturleiter Christian Wick.
Journalismus im KI-Verdacht: Zwischen gefälschten Zitaten und Detektionstools
Die Kolumne beleuchtet vier nahezu zeitgleiche Fälle im deutschsprachigen Raum, in denen Journalisten oder Autoren der unkritischen oder verschleierten KI-Nutzung beschuldigt wurden. Der Tagesspiegel entließ seinen Chefreporter Stephan-Andreas Casdorff wegen KI-generierter Meinungsbeiträge. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) löschte einen Gastbeitrag von Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt wegen erfundenen Zitaten. Axel-Springer-Chef Mathias Döpfner veröffentlichte eine in Welt erschienene Replik, die komplett von Googles Gemini stammte und laut eigener Aussage unredigiert blieb. Zudem warf der Plagiatsgutachter Stefan Weber dem NZZ-Deutschland-Chefredakteur Florian Eder basierend auf dem Detektionstool Pangram den Einsatz von KI vor. Der Autor kritisiert, dass KI-Erkennungstools lediglich statistische Indikatoren und keine Beweise sind, und warnt vor einer unkritischen Rolle von KI als Ankläger, die die journalistische Qualität gefährdet. Der Deutsche Presserat lehnt derweil eine pauschale Kennzeichnungspflicht für KI im Journalismus ab.
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