Beobachtetes Signal · 17. Juni 2026 · Industry Survey / Market Report · Quelle: t3n · Relevanz: 3/5 · Sentiment: Negativ

Cloud-Paradoxon: Deutsche Unternehmen fordern lokale Anbieter, nutzen aber US-Hyperscaler

Zusammenfassung des Signals

Eine vom Branchenverband Bitkom veröffentlichte repräsentative Studie offenbart eine massive Diskrepanz zwischen den Cloud-Präferenzen deutscher Unternehmen und deren realer Nutzung. Laut dem „Cloud Report 2026“ bevorzugen 91 Prozent der befragten Firmen Cloud-Anbieter aus Deutschland, während jedoch nur 53 Prozent tatsächlich einen deutschen Provider einsetzen und 71 Prozent auf US-Dienste zurückgreifen. Gleichzeitig sehen 85 Prozent der Entscheidungsträger eine zu starke Abhängigkeit von US-Anbietern – ein Anstieg im Jahresvergleich. Rund 64 Prozent geben an, dass politische Entwicklungen in den USA sie zu einer Neuausrichtung ihrer Cloud-Strategie zwingen. Als Hauptgründe für den Griff zu US-Anbietern nennen die Unternehmen das Fehlen gleichwertiger europäischer Alternativen. Die Umfrage unter 603 Firmen mit mindestens 20 Mitarbeitern verdeutlicht den dringenden Bedarf an europäischen Hyperscalern, um Risiken bei Datensouveränität und digitaler Infrastruktur – mit direkten Auswirkungen auf MarTech- und AdTech-Stacks wie CDPs und Clean Rooms – zu minimieren.

Polaris7 AgentStrategische Einordnung
Hohe Konfidenz

Die Studie quantifiziert die tiefe Abhängigkeit deutscher Unternehmen von US-Cloud-Anbietern sowie den starken Wunsch nach europäischen Alternativen, was unmittelbare strategische Implikationen für die Datensouveränität und die Hosting-Infrastrukturen von MarTech- und AdTech-Ökosystemen wie Customer Data Platforms und Clean Rooms hat.

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Wichtigste Kernpunkte & Evidenz

  • Der Bitkom „Cloud Report 2026“ befragte im April und Mai 2026 insgesamt 603 deutsche Unternehmen ab 20 Mitarbeitern.
  • 91 Prozent der Firmen bevorzugen deutsche Cloud-Anbieter, aber nur 53 Prozent nutzen aktuell einen solchen.
  • 71 Prozent der deutschen Unternehmen beziehen Cloud-Dienste von US-Anbietern, obwohl nur 8 Prozent diese präferieren.
  • 85 Prozent der Entscheidungsträger stufen die deutsche Abhängigkeit von US-Cloud-Providern als zu hoch ein (Vorjahr: 78 %).
  • 64 Prozent sehen sich durch US-Regierungspolitik zum Überdenken ihrer Cloud-Strategie gezwungen; 80 Prozent fordern europäische Hyperscaler.
Primäre Quellenbasis & Herkunftsnachweis
Verifizierter Herkunftsnachweis
Primärquelle: t3n•Veröffentlicht: 17. Juni 2026
Ursprünglicher Berichttitel: “Cloud-Paradox: 91 Prozent wollen deutsche Anbieter, 71 Prozent buchen bei den Amerikanern”

Verwandte Marktsignale & Trends

Aktuelle verifizierte Unternehmensentwicklungen und Deal-Aktivitäten in diesem Marktsegment.

Infrastructure11. Aug. 2026

ifo: German Firms Highly Dependent on US Tech

An ifo Institute survey finds that nearly 88% of German companies use digital products and services from US providers and 31% consider themselves strongly dependent. Despite broad risk awareness, many firms take little action: over one in five see their dependency as risky but plan no countermeasures, and among those recognizing risk more than 40% do not intend to change. The survey was prompted by a temporary restriction on access to Anthropic's AI models ordered by the US Department of Commerce in June. Companies prefer switching to European suppliers or diversifying providers, but limited European compute capacity and infrastructure constrain practical moves. ifo calls for faster expansion of European data center and energy infrastructure and shorter permitting processes.

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Cloud Infrastructure & Data Sovereignty13. Feb. 2026

Europa bleibt stark von US-Cloud-Anbietern abhängig

Eine CNBC-Analyse verdeutlicht Europas starke Abhängigkeit von US-Technologieanbietern bei der digitalen Infrastruktur, trotz politischer Bestrebungen nach digitaler Autonomie. Daten der Synergy Research Group zeigen, dass europäische Cloud-Anbieter 2025 weniger als 15 Prozent des Marktes hielten, während Amazon, Microsoft und Google über 70 Prozent kontrollieren. Ein Bericht des Europäischen Parlaments zeigt zudem, dass mindestens 59 Prozent des europäischen Enterprise Software-Marktes in US-Hand liegen, wobei Oracle und Microsoft 18 beziehungsweise 10 Prozent halten. Kritiker warnen vor dem US CLOUD Act, der US-Behörden Zugriff auf Daten amerikanischer Unternehmen unabhängig vom physischen Speicherort gewährt, was Souveränitäts- und Datenschutzbedenken aufwirft. Branchenexperten wie John Dinsdale von Synergy und SAP-Chef Christian Klein betonen, dass Skaleneffekte, globale Reichweite und First-Mover-Vorteile die US-Dominanz zementieren und eine Trendwende für europäische Anbieter erschweren.

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Infrastructure10. Sept. 2026

Capgemini-Studie: Deutsche Unternehmen weisen besonders hohe digitale Abhängigkeiten auf

Laut einer Studie des Capgemini Research Institute ist digitale Souveränität weltweit zu einer strategischen Managementpriorität geworden, die bei 93 % der Unternehmen auf Vorstandsebene diskutiert wird. Dennoch halten 59 % eine vollständige technologische Unabhängigkeit für unrealistisch und setzen stattdessen auf ‚resiliente Interdependenz‘. Deutsche Unternehmen weisen mit 94 % die höchste Abhängigkeit von externen Technologieanbietern unter allen untersuchten Ländern auf. Ein zentrales Handlungsfeld ist Künstliche Intelligenz, die global von 75 % und in Deutschland von 82 % priorisiert wird. Zu den Hauptherausforderungen zählen Vendor-Lock-ins – 36 % der Unternehmen benötigen über zwölf Monate für den Wechsel eines kritischen Anbieters – sowie mangelnde Transparenz, da nur 14 % vollen Einblick in ihre Abhängigkeiten haben. Trotz dieser Risiken ist weniger als die Hälfte bereit, Aufpreise für Souveränität zu zahlen, wobei zahlungswillige Firmen einen Aufschlag von 23 % akzeptieren würden.

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