Beobachtetes Signal · 9. Juni 2026 · Conference / Panel Discussion · Quelle: persoenlich.com News · Relevanz: 2/5 · Sentiment: Neutral
Walliser Verleger investieren verstärkt in journalistischen Nachwuchs
An einer Lokalmedientagung im Wallis diskutierten Schweizer Medienverantwortliche über rückläufige Bewerberzahlen und sinkende Studierendenzahlen in der Journalistenausbildung. Experten führen dies auf ein Imageproblem der Branche, limitierte Karrieraussichten, unzureichende Bezahlung und jahrelange Vernachlässigung der Ausbildung durch Verleger zurück. CH-Media-Ausbildungsleiter Christian Mensch warnte, dass Reduktionsrunden in Redaktionen den Nachwuchs- und Fachkräftenachschub beschädigt haben. Demgegenüber setzt der Walliser Bote auf proaktive Massnahmen wie Schulbesuche, Schnupperlehren und bezahlte Sommerpraktika von CHF 3'500 monatlich, wodurch mehrfachkehrende Praktikanten gewonnen werden konnten. Einig war man sich, dass weniger ein Mangel an Talenten als vielmehr die Finanzierbarkeit und Bindung neuer Journalisten das Kernproblem darstellen, befeuert durch die breitere Finanzierungskrise der Lokalmedien.
Beleuchtet Rekrutierungs- und Ausbildungsprobleme bei Lokalverlagen, die den redaktionellen Output verringern und die Publisher-Monetarisierung sowie Inventarqualität beeinflussen können; von regionaler Bedeutung, zeigt aber nur begrenzte Soforteffekte auf die globale AdTech-Branche.
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Wichtigste Kernpunkte & Evidenz
- Das Lokaljournalismus-Diplomprogramm des MAZ zählt aktuell rund 20 Studierende – etwa die Hälfte im Vergleich zu vor zehn Jahren.
- Christian Mensch (CH Media) erklärte, dass Verleger die Ausbildung während jahrelanger Sparrunden vernachlässigten, was zu Rekrutierungslücken und weniger Fachwissen führte.
- Der Walliser Bote bietet Schulbesuche, ein- bis zweitägige Schnupperlehren und bezahlte Sommerpraktika (CHF 3'500 pro Monat); drei von sechs Sommerpraktikanten kehrten bereits zum dritten Mal zurück.
- Joel Widmer (Mitgründer von Hauptstadt) betonte, dass Tamedias Titelzusammenlegungen in Bern viele traditionelle Einstiegswege in den Journalismus zerstört haben.
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Medienkrise: Roger Schawinski fordert staatliche und private Hilfe für Schweizer Lokalmedien
Roger Schawinski, Gründer von Radio 1, warnt in einem Gastbeitrag für die NZZ vor einer existenziellen Krise der Schweizer Lokal- und Regionalmedien infolge des Einbruchs der Werbeumsätze. Online-Werbung generiere demnach nur noch rund fünf Prozent der früheren Print-Erlöse, während Paywalls kaum Wirkung zeigen und Gratiszeitungen sowie vielfältige Radioangebote verschwinden. Schawinski fordert gezielte Unterstützung durch Kantone, Stiftungen und private Mäzene, um das Verschwinden regionaler Publisher zu verhindern, und verweist auf bereits bestehende Subventionen in Westschweizer Kantonen wie Fribourg, Waadt und Genf. Exemplarisch führt er an, dass Radio 1 jährlich rund 2,4 Millionen Schweizer Franken einnimmt und er als Geschäftsführer seither auf ein eigenes Gehalt verzichtet hat.
SwissMediaForum: Überlebenskampf, KI-Herausforderungen und Kooperationskultur in der Schweizer Medienlandschaft
Auf dem SwissMediaForum in Luzern diskutierten die Spitzenköpfe der grössten Schweizer Medienhäuser – darunter Pietro Supino (TX Group), Felix Graf (NZZ), Susanne Wille (SRG), Michael Wanner (CH Media) und Marc Walder (Ringier) – unter der Moderation von Eveline Kobler (SRF) über digitale Überlebensstrategien, KI und Plattformdisruption. Marc Walders provokante These, dass digital nur Blick, NZZ und 20 Minuten überleben werden, sorgte für Gegenwind, insbesondere bezüglich subventionierter CH-Media-Resultate. Einig war man sich über die Notwendigkeit klarer Urheberrechtsregeln für KI: Walder unterstützte die Motion Gössi, während SRG-Chefin Susanne Wille anbot, SRG-Distributionskanäle für private Medien zu öffnen, um Reichweiten zu teilen. Die NZZ setzt auf internationale Expansion und KI-gestützte «liquid content»-Formate. CH Media meldete stabilisierte Abonnentenzahlen im zweiten Halbjahr 2025 und verwies auf eine Reuters-Studie, wonach die Zahlungsbereitschaft für Digital-News in der Deutschschweiz auf 22 % gestiegen ist. Die Meinungen zur SRG-Kooperation bleiben gespalten.
Lokalmedientagung 2026: Qualität und Künstliche Intelligenz als strategische Faktoren
Am 10. Juni 2026 versammelten sich über 80 Medienfachleute zur Lokalmedientagung, die gemeinsam vom Verlegerverband Schweizer Medien und dem MAZ organisiert wurde. Im Zentrum der Konferenz 2026 standen der Werbemarkt, Künstliche Intelligenz sowie die Talentförderung im Lokaljournalismus. Silvano Oeschger forderte eine stärkere Konsolidierung im digitalen Werbemarkt und betonte, dass Stärke aus Kooperation erwachse. Reto Vogt, Chief Product Officer beim MAZ, erläuterte, dass KI die Distribution automatisieren könne, während die Inhaltserstellung menschlich bleibe. Christian Mensch von den CH Regionalmedien hob das Potenzial junger Nachwuchskräfte trotz des anhaltenden finanziellen Drucks hervor und empfahl praxisnahe Initiativen wie Schnupperlehren und Sommerpraktika zur Rekrutierung von Talenten für den Lokaljournalismus. Der Artikel enthält zudem eine Bildergalerie der Veranstaltung.
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