Beobachtetes Signal · 17. Juni 2026 · Policy Update · Quelle: DWDL · Relevanz: 3/5 · Sentiment: Neutral
Deutscher Medienregulator spricht sich gegen generelles Social-Media-Verbot aus
Thorsten Schmiege, Präsident der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien und Vorsitzender von DLM und ZAK, hat sich in einem Interview gegen ein pauschales Verbot von Social Media für Jugendliche ausgesprochen. Er forderte stattdessen wirksame Schutzmaßnahmen für Minderheiten und warnte vor kategorischen Verboten, um die digitale Teilhabe nicht zu gefährden. Zudem äußerte er sich zur Lage bei ProSiebenSat.1 nach der MFE-Mehrheitsübernahme: Trotz programmatischer Kontinuität gebe es einen spürbaren Sparkurs infolge sinkender Werbeumsätze im klassischen Fernsehen. Das Abfließen von mehr als Hälfte der Werbebudgets an Big-Tech-Plattformen bezeichnete er als massives strukturelles Problem, das den Druck auf Broadcaster zur Kostensenkung und gleichzeitigen Zukunftsinvestitionen drastisch erhöht.
Die ablehnende Haltung eines ranghohen Regulators gegenüber einem Jugendverbot sowie der Verweis auf abfließende Werbebudgets zu Big-Tech-Plattformen sind hochrelevant für Medienregulierung, Plattformpolitik und die Monetarisierungsdebatte im AdTech-Ökosystem.
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Wichtigste Kernpunkte & Evidenz
- Thorsten Schmiege ist BLM-Präsident sowie DLM- und ZAK-Vorsitzender.
- Im epd-Medien-Interview lehnte er ein generelles Social-Media-Verbot für Jugendliche ab.
- Er beobachtet bei ProSiebenSat.1 nach MFE-Übernahme Sparmaßnahmen wegen sinkender TV-Werbeerlöse.
- Mehr als die Hälfte der Werbebudgets fließt an Big-Tech-Plattformen, was als strukturelles Problem für Broadcaster gilt.
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Verbraucherschützer fordern Regulierung statt Social-Media-Verbot für Minderjährige
Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) lehnt ein generelles Social-Media-Verbot für Minderjährige ab und fordert stattdessen eine strenge Regulierung süsslicher und manipulierender Plattformfunktionen. Ramona Pop, Mitglied des vzbv-Vorstands, plädiert gegenüber der Funke Mediengruppe für Verbote oder strenge Kontrollen von Mechanismen wie Autoplay, Endlos-Scrollen, automatischer Standortfreigabe und permanenter Kontaktanfragen. Ein noch unveröffentlichter Verbraucherreport belegt demnach, dass 81 Prozent der 14- bis 29-Jährigen eine stärkere Verantwortung der Plattformen anstelle eines Ausschlusses junger Nutzer befürworten. EU-kommissionierte Experten empfehlen derweil den beschränkten Zugang für unter 13-Jährige ohne pauschales Verbot. Auch die Bundesfamilienministerin Karin Prien spricht sich für einen differenzierten, europaweiten Ansatz aus.
DLM-Chef Schmiege fordert digitalen Schutzschirm für den Lokaljournalismus
Thorsten Schmiege, Präsident der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien und amtierender DLM-Vorsitzender, hat auf den Lokalmedientagen in Nürnberg eine verstärkte Unterstützung für lokale Medien gefordert. Angesichts sinkender Werbeumsätze, veränderter Mediennutzung und steigender Produktionskosten plädierte er für einen an das digitale Zeitalter angepassten Schutzschirm. Schmiege nannte dabei die Handlungsfelder Auffindbarkeit, Kooperation, Innovation und neue Finanzierungsmodelle. Zudem betonte er die Rolle künstlicher Intelligenz als potenziellen Beschleuniger für die Produktion, Distribution und wirtschaftliche Nachhaltigkeit des Lokaljournalismus, während er gleichzeitig unternehmerisches Risiko von Medienhäusern einforderte.
74 Prozent der Deutschen befürworten Social-Media-Altersgrenze unter 16 Jahren
Laut einer exklusiv vorliegenden YouGov-Umfrage sprechen sich 74 Prozent der Befragten in Deutschland für ein Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige aus. Die Zustimmung ist generationenübergreifend hoch und liegt bei Eltern besonders ausgeprägt. Parallel dazu verurteilte ein US-Gericht Meta und Alphabet wegen süchtig machender Plattform-Designs zu einer Schadensersatzzahlung von 3 Millionen US-Dollar. Daten des Statistischen Bundesamtes zeigen, dass 2025 rund 85 Prozent der 16- bis 24-Jährigen soziale Medien nutzten, verglichen mit einem Bundesdurchschnitt von 59 Prozent. Angesichts dieser Entwicklungen zeigen sich Politiker wie der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Hendrik Wüst offen für Altersgrenzen, während eine Bund-Länder-Expertenkommission adäquate Mindestalter für Plattformen wie Instagram und TikTok prüft.
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