Beobachtetes Signal · 29. Apr. 2026 · Leadership Election · Quelle: DWDL · Relevanz: 2/5 · Sentiment: Neutral
ORF zieht Führungswahl vor: Wachsende Kritik an internem Compliance-Bericht
Der ORF-Stiftungsrat hat Ingrid Thurnher mit 31 von 35 Stimmen zur Generaldirektorin bis Ende 2026 gewählt und die Wahl für die darauffolgende Amtsperiode auf den 11. Juni vorgezogen. Zudem fordert das Gremium Einsicht in den internen Compliance-Bericht zur Causa Roland Weißmann, nachdem Thurnher die Übergabe zuvor unter Verweis auf Datenschutz und Persönlichkeitsrechte abgelehnt hatte. Die österreichische Gleichbehandlungsanwaltschaft übte scharfe Kritik an der ORF-Untersuchung, stufte deren Bewertung als höchst fragwürdig ein und bezeichnete die Außenwirkung als verheerend. Unterdessen ermittelt die Staatsanwaltschaft Wien gegen die ursprüngliche Hinweisgeberin und deren Anwalt wegen des Verdachts der Erpressung und des Missbrauchs von Tonaufnahmen. Parallel dazu könnten die geplante Übernahme von Sky Deutschland durch RTL sowie personelle Wechsel im DACH-Raum die österreichische Rundfunk- und Werbelandschaft weiter dynamisieren.
Die Compliance- und Governance-Krise belastet das Vertrauen in den öffentlich-rechtlichen Rundfunk Österreichs, während Marktverschiebungen wie die Sky-Übernahme durch RTL die lokale TV- und Werbelandschaft neu ordnen.
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Wichtigste Kernpunkte & Evidenz
- Der ORF-Stiftungsrat wählte Ingrid Thurnher mit 31 von 35 Stimmen zur Generaldirektorin bis Ende 2026.
- Die Wahl für die ORF-Führung ab 2027 wurde vorgezogen und ist für den 11. Juni 2026 angesetzt.
- Der Stiftungsrat fordert die Herausgabe des internen Compliance-Berichts im Fall Roland Weißmann ein.
- Die Gleichbehandlungsanwaltschaft kritisierte den ORF-Compliance-Bericht scharf als höchst fragwürdig.
- Die Staatsanwaltschaft Wien ermittelt gegen die Hinweisgeberin und deren Anwalt wegen des Verdachts auf Erpressung.
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ORF: Führungsumbau, Rücktritt im Stiftungsrat und Klage über 4 Millionen Euro
Am 11. August 2026 vollzog der ORF tiefgreifende Governance-Schritte: Der Stiftungsrat bestätigte die vom designierten Generaldirektor Clemens Pig vorgeschlagene Führungsriege trotz FPÖ-Widerstands. Parallel kündigte Gregor Schütze seinen Rücktritt als stellvertretender Stiftungsratsvorsitzender an. Zeitgleich begann vor dem Wiener Arbeits- und Sozialgericht das Verfahren zwischen dem ORF und Ex-Generaldirektor Roland Weißmann, der seine Entlassung anficht und rund 4 Millionen Euro fordert – Hintergrund sind Vorwürfe rund um publik gewordene Chatprotokolle. Zudem kündigte der ORF juristische Schritte gegen geplante Bundesbudget-Kürzungen von 93 Millionen Euro ab 2027 an, inklusive möglicher Beschwerden beim Verfassungsgerichtshof und der KommAustria. Ingrid Thurnher und die designierte Finanzdirektorin Silvia Lieb (derzeit CEO der Moser Holding) steuern die finanzielle und operative Bewältigung der Lage.
Rechtsstreitigkeiten nach Abberufung des ORF-Chefs weiten sich aus
Der österreichische öffentlich-rechtliche Rundfunk ORF sieht sich nach der Entlassung von Generaldirektor Roland Weißmann infolge von Vorwürfen wegen unangemessenen Verhaltens gegenüber einer Mitarbeiterin mit zahlreichen juristischen Auseinandersetzungen konfrontiert. Die Betroffene fordert in Klagen gegen Weißmann und den ORF Schadenersatz wegen mutmaßlicher sexueller Belästigung, während Weißmann gerichtlich gegen seine Entlassung vorgeht und 200.000 Euro sowie Pensionsbeiträge fordert. Zudem ermittelt die Wiener Staatsanwaltschaft gegen die Mitarbeiterin und deren Anwalt wegen des Verdachts der Erpressung und illegaler Tonaufnahmen. Eine interne Untersuchung stellte zwar ethisches Fehlverhältnis fest, wertete das Verhalten jedoch nicht als sexuelle Belästigung. Als neuer ORF-Generaldirektor wurde Clemens Pig benannt, der das Amt Anfang 2027 antreten wird. Die anhaltende Führungskrise und die laufenden Gerichtsverfahren könnten den operativen Betrieb, die Programmgestaltung sowie die Werbe-Inventare des Senders beeinträchtigen.
ORF-Manager freigestellt: Sparvorgaben und vertagte Streamingabgabe belasten Finanzen
Der ORF sieht sich mit internen Turbulenzen und finanzpolitischem Gegenwind konfrontiert: Generaldirektorin Ingrid Thurnher hat den leitenden Manager Pius Strobl, ehemals verantwortlich für das 300-Millionen-Euro-Bauprojekt am Küniglberg, im Zuge einer Compliance-Untersuchung vorübergehend freigestellt. Parallel kürzt die österreichische Bundesregierung den geplanten Vorsteuerabzugsausgleich, was dem Sender 93 Millionen Euro entzieht; Thurnher kündigte rechtliche Schritte an. Zudem scheiterte vorerst die geplante 12-prozentige Streamingabgabe auf Plattform-Umsätze an fehlendem Konsens der Koalitionsverhandler, was insbesondere die heimische Produktionsbranche enttäuscht. Als finanzielle Entlastung darf der ORF jedoch vorübergehend mehr Mittel aus den Sperrkonten abrufen, da die Obergrenze auf 780 Millionen Euro angehoben wurde. Medienberichten zufolge überprüft das öffentlich-rechtliche Medienhaus zudem Vergabepraktiken bei externen Dokumentationen auf unerlaubte Einflussnahme und passt Richtlinien an.
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