Beobachtetes Signal · 19. Mai 2026 · Conference / Panel · Quelle: DWDL · Relevanz: 2/5 · Sentiment: Neutral
Funke-Aufsichtsratschefin Julia Becker kritisiert Medienpolitik und Verlage scharf
Auf dem ANGA COM-Mediengipfel in Köln übte Julia Becker, Aufsichtsratsvorsitzende der Funke Mediengruppe, scharfe Kritik an der Medienbranche und der Politik. Verlage müssten aufhören, journalistische Inhalte zu verschenken, und Gewinne reinvestieren, um die Medienvielfalt zu sichern. Becker verwies auf über eine Milliarde Euro Investitionen in den letzten zehn Jahren, kritisierte das Bundeskartellamt und Präsident Andreas Mundt wegen jahrelanger Verzögerungen bei einer Zeitschriftenkooperation und warnte vor unlauterem Wettbewerb durch die angekündigte Digitaloffensive des WDR. WDR-Intendantin Katrin Vernau räumte Defizite ein, während NRW-Medienminister Nathanael Liminski eine stärkere Regulierung von Plattformen und Entlastungen für den klassischen Journalismus forderte. Branchenvertreter wie Claus Grewenig von RTL und Tobias Schmid von der LfM plädierten für engere Kooperationen und intelligente Regulierung, um das wettbewerbsfähige Medienökosystem zu erhalten.
Die Debatte über Verlagsfinanzierung, öffentlich-rechtliche Digitalstrategien und regulatorische Hürden beeinflusst maßgeblich die künftigen Monetarisierungsbedingungen und medienpolitischen Rahmenbedingungen für die Werbe- und Verlagsbranche in Deutschland.
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Wichtigste Kernpunkte & Evidenz
- Julia Becker (Aufsichtsratsvorsitzende Funke Mediengruppe) sprach am 19.05.2026 auf dem ANGA COM-Mediengipfel in Köln.
- Funke hat nach Becker-Angaben im letzten Jahrzehnt über eine Milliarde Euro in deutsche Medienmarken investiert.
- Kritik am Bundeskartellamt und Präsident Andreas Mundt wegen einer siebenjährigen Verzögerung bei einer Zeitschriftenkooperation.
- WDR-Intendantin Katrin Vernau kündigte eine 'Digitaloffensive' an; Becker warnte vor unzulässigen Doppelstrukturen zu privaten Angeboten.
- NRW-Minister Nathanael Liminski forderte schärfere Plattformregulierung und weniger Auflagen für klassische Medien.
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Julia Becker restrukturiert Funke-Gruppe und trennt sich von Boulevard-Segment
Julia Becker, Aufsichtsratsvorsitzende der Funke-Mediengruppe, hat in einem OMR-Podcast eine radikale strategische Neuausrichtung des Essener Verlags angekündigt. Sie plant den Verkauf des gesamten Yellow-Press- und Boulevard-Segments, da dieses im Widerspruch zum Anspruch steht, verlässlichen Journalismus zu fördern. Während TV-Programmzeitschriften wie Hörzu trotz sinkender linearer Einschaltquoten hochprofitabel bleiben, verteidigte Becker lokale Experimente – etwa die Live-Berichterstattung über regionale Reit- und Parasportevents in Balve nach dem Rückzug des WDR. Zudem kritisierte sie die verstärkende Wirkung sozialer Medien und unregulierter Plattformen. Becker berichtete zudem von einem gescheiterten Digitalexperiment, bei dem Leserschaft das gedruckte Tageszeitungs-Format einem iPad-Angebot vorzog. Diese Maßnahmen markieren einen tiefgreifenden Wandel zur Stabilisierung des traditionellen Verlagsmodells.
VAUNET kritisiert Regulierungspraxis und wachsende Big-Tech-Dominanz im Werbemarkt
Auf seinem Jahresempfang in Berlin hat der Privatsenderverband VAUNET deutliche medienpolitische Kritik geäußert. Vorstandsvorsitzender Claus Grewenig monierte ein gravierendes Umsetzungsproblem bei der Digitalregulierung: 72 % der digitalen Werbeerlöse fließen mittlerweile an globale Big-Tech-Plattformen ab. Statt der versprochenen Entlastung für private Medien entstünden neue regulatorische Hürden. Grewenig forderte daher gelockerte Fusionskontrollregeln sowie eine zügige Verabschiedung des Digitale-Medien-Staatsvertrags (DMStV). Staatssekretär Torsten Welling (Rheinland-Pfalz), Koordinator der Rundfunkkommission, verteidigte den DMStV-Entwurf hingegen als medienpolitisches Meisterwerk, das faire Wettbewerbsbedingungen schaffe und Medienkonzentration im Digitalzeitalter adressiere. In der Debatte prallten Forderungen nach Deregulierung privater Medienanbieter und strengerer Plattformregulierung aufeinander.
Koordinator der Rundfunkkommission fordert strukturelle Reformen statt Programmkürzungen
Torsten Welling, Koordinator der Rundfunkkommission der Länder, hat in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung betont, dass die Bundesländer die starke Regulierung klassischer Medien abbauen und gleichzeitig das regulatorische Ungleichgewicht gegenüber Plattformen adressieren müssen. Er forderte die öffentlich-rechtlichen Sender auf, strukturelle Reformen und ein aktives Portfoliomanagement zu betreiben, statt rein finanzgetriebene Programmkürzungen vorzunehmen – letzteres sei kein nachhaltiger Weg. Zudem lehnte Welling eine automatische Erhöhung des Rundfunkbeitrags ab und plädierte stattdessen für Effizienzsteigerungen, engere Kooperationen und strukturellen Wandel, um die Finanzierung und Planungssicherheit zu gewährleisten. Der Artikel auf DWDL.de verweist im Kontext der Debatte auf jüngste Sparmaßnahmen und Programmkürzungen beim MDR sowie auf Einschätzungen der KEF zu Rücklagen.
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