Beobachtetes Signal · 8. Juni 2026 · Policy Update · Quelle: Manager Magazin · Relevanz: 3/5 · Sentiment: Neutral
Europas Antwort auf die drohende Cyberdominanz von Palantir
Eine Kolumne von Christoph Bornschein (Capgemini Invent) warnt, dass softwaregetriebene Macht – exemplifiziert durch Palantir und das Manifest von CEO Alex Karp – die europäische digitale Souveränität gefährdet. Der Beitrag verweist auf Kritik von Bellingcat-Gründer Eliot Higgins, Berichte über US-Anweisungen zur Umgehung von Datensouveränitätsgesetzen sowie aktuelle europäische Gegenmaßnahmen: Das BSI veröffentlichte den C3A-Anforderungskatalog für souveräne Cloud-Dienste, und die EU-Kommission vergab einen Cloud-Rahmenvertrag über 180 Millionen Euro an vier europäische Konsortien unter weitgehender Ausschließung von Hyperscalern. Der Autor plädiert für einen heterogenen, resilienten Tech-Stack und gezielte Schritte statt blinder Autarkie, um die Abhängigkeit von außereuropäischen Anbietern zu verringern.
Regionale Politiken und Beschaffungsmaßnahmen wie der BSI-C3A-Katalog und das EU-Cloud-Framework beeinflussen die europäische Cloud-Souveränität und Anbieterlandschaft maßgeblich. Dies ist hochrelevant für Infrastrukturentscheidungen, die auch Tech- und AdTech-Operationen indirekt prägen.
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Wichtigste Kernpunkte & Evidenz
- Kolumne von Christoph Bornschein am 08.06.2026 im manager magazin veröffentlicht.
- Palantir-CEO Alex Karp veröffentlichte am 18.04.2026 eine 22-Punkte-Zusammenfassung seines Buches 'The Technological Republic' auf X.
- Bellingcat-Gründer Eliot Higgins kritisierte Karps Manifest öffentlich als Ideologie eines Unternehmens mit politisch getriebenen Umsätzen.
- Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) stellte den offiziellen Anforderungskatalog C3A für souveräne Cloud-Dienste vor.
- Die EU-Kommission vergab im April 2026 einen Cloud-Rahmenvertrag über 180 Millionen Euro an vier europäische Konsortien ohne große Hyperscaler, wobei das Thales/Google-S3NS-Konstrukt nachträglich einbezogen wurde.
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Europa beschleunigt digitale Souveränität angesichts geopolitischer Spannungen
Europäische Regierungen treiben die Reduzierung ihrer Abhängigkeit von US-Technologieanbietern massiv voran und stärken ihre digitale Souveränität. Angesichts geopolitischer Risiken setzen Minister und Behörden verstärkt auf Open-Source-Alternativen, den Ausbau eigener Cloud-Infrastrukturen und höhere Budgets für souveräne Kapazitäten. Laut Synergy Research Group kontrollieren US-Cloud-Anbieter rund 85 Prozent des europäischen Marktes, wobei Hyperscaler wie Amazon, Microsoft und Google allein über 70 Prozent halten. Gartner prognostiziert jedoch, dass die Ausgaben für Sovereign Cloud IaaS in Europa bis 2027 im Vergleich zu 2025 auf 23 Milliarden US-Dollar steigen werden. Konkrete Initiativen umfassen Estlands „Open-Source-First“-Politik, Frankreichs Behörden-Videokonferenztool Visio sowie Dänemarks Tests mit Open-Source-Bürosoftware. Zwar bleibt die Zusammenarbeit mit Hyperscalern in Teilbereichen bestehen, doch diese Entwicklung verändert Beschaffungsstrukturen, Data Localization und Infrastrukturstrategien im gesamten digitalen Ökosystem nachhaltig.
Europa bleibt stark von US-Cloud-Anbietern abhängig
Eine CNBC-Analyse verdeutlicht Europas starke Abhängigkeit von US-Technologieanbietern bei der digitalen Infrastruktur, trotz politischer Bestrebungen nach digitaler Autonomie. Daten der Synergy Research Group zeigen, dass europäische Cloud-Anbieter 2025 weniger als 15 Prozent des Marktes hielten, während Amazon, Microsoft und Google über 70 Prozent kontrollieren. Ein Bericht des Europäischen Parlaments zeigt zudem, dass mindestens 59 Prozent des europäischen Enterprise Software-Marktes in US-Hand liegen, wobei Oracle und Microsoft 18 beziehungsweise 10 Prozent halten. Kritiker warnen vor dem US CLOUD Act, der US-Behörden Zugriff auf Daten amerikanischer Unternehmen unabhängig vom physischen Speicherort gewährt, was Souveränitäts- und Datenschutzbedenken aufwirft. Branchenexperten wie John Dinsdale von Synergy und SAP-Chef Christian Klein betonen, dass Skaleneffekte, globale Reichweite und First-Mover-Vorteile die US-Dominanz zementieren und eine Trendwende für europäische Anbieter erschweren.
EU stellt Plan für technologische Souveränität zur Reduzierung der Big-Tech-Abhängigkeit vor
Die Europäische Kommission hat einen umfassenden Plan zur technologischen Souveränität vorgestellt, um Europas Abhängigkeit von US-amerikanischen und chinesischen Technologieanbietern in den Bereichen Cloud Computing, Künstliche Intelligenz, Halbleiter und Software zu verringern. Das Maßnahmenpaket umfasst Investitionen und regulatorische Anpassungen zur Beschleunigung europäischer Rechenzentren, der Chip-Produktion sowie zur Förderung von Open-Source-Projekten. Ziel ist es, Bedenken hinsichtlich der Kontrolle über kritische Infrastruktur und Datenzugriffe zu adressieren. Während Verbände wie Bitkom und die NCC Group die strategische Ausrichtung begrüßten, kritisierten Grünen-Abgeordnete das Fehlen verbindlicher Maßnahmen und konkreter Finanzierungen. Der Bericht verweist auf erhebliche Marktkonzentrationen – so kontrollieren AWS, Microsoft und Google rund 70 % des europäischen Cloud-Marktes – sowie auf jährliche IT-Dienstleistungsströme von rund 264 Milliarden Euro von Europa in die USA. Der Draghi-Bericht beziffert den zusätzlichen jährlichen Investitionsbedarf auf etwa 800 Milliarden Euro.
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