Beobachtetes Signal · 19. Nov. 2024 · Report Publication · Quelle: Trending Topics · Relevanz: 3/5 · Sentiment: Negativ
European Tech 2024: Sinkende Investments, schwache M&A und US-Abwanderung
Der jährliche „State of European Tech 2024“-Bericht von Atomico zeigt, dass die Investitionen in europäische Start-ups weiter rückläufig sind: Für 2024 werden rund 45 Milliarden US-Dollar erwartet – ein leichter Rückgang gegenüber den 47 Milliarden im Jahr 2023 und ein Drastischer Abfall im Vergleich zu den über 100 Milliarden aus dem Rekordjahr 2021. Der Bericht verzeichnet 35.000 Frühphasen-Unternehmen, 3.400 Spätphasen-Unternehmen sowie 358 Unicorns, warnt jedoch vor strukturellen Defiziten. So werden jährlich rund 800 Unternehmen direkt in den USA statt in Europa gegründet, und etwa 10 % aller US-Start-ups haben europäische Gründer. Die Exit-Aktivitäten fielen auf ein Zehnjahrestief; zudem wird die Finanzierungslücke in der Wachstumsphase auf 375 Milliarden US-Dollar beziffert. Europäische Pensionsfonds investieren lediglich 0,01 % ihrer 9 Billionen US-Dollar schweren Assets in europäisches Venture Capital. Positiv hervorzuheben ist, dass 33 % der europäischen Funding-Volumina in Deep Tech inklusive KI flossen und die Jobausschaltungen im KI-Bereich um das Sechsfache stiegen.
Der jährliche Atomico-Bericht quantifiziert rückläufige europäische Venture-Capital-Ströme, historische Tiefststände bei Exits sowie die Verschiebung hin zu KI und Deep Tech, was für das Tech- und KI-Ökosystem im Umfeld von AdTech und MarTech von hoher Relevanz ist.
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Wichtigste Kernpunkte & Evidenz
- Atomico prognostiziert für europäische Start-ups 2024 ein Investitionsvolumen von 45 Milliarden US-Dollar (nach 47 Milliarden 2023 und über 100 Milliarden 2021).
- Die europäischen Tech-Exits sanken 2024 auf den tiefsten Stand seit zehn Jahren.
- Rund 10 % der US-Start-ups stammen von europäischen Gründern, während jährlich etwa 800 Unternehmen direkt in den USA gegründet werden.
- Europäische Pensionsfonds investieren nur 0,01 % ihrer Vermögenswerte von 9 Billionen US-Dollar in Venture Capital, was eine Wachstumslücke von 375 Milliarden US-Dollar begünstigt.
- Deep Tech einschließlich KI machte 33 % des europäischen Venture Fundings aus, wobei deutsche KI-Start-ups 2024 insgesamt 1,4 Milliarden US-Dollar einsammelten.
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1 verknüpfte Unternehmen“The State of European Tech Report 2024 is published by the Scandinavian VC Atomico....”
Ontologie & Marktkonzepte
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Aktuelle verifizierte Unternehmensentwicklungen und Deal-Aktivitäten in diesem Marktsegment.
Open Cosmos sichert sich 300 Mio. € für Satellitenintelligenz
Der britische Satellitenhersteller Open Cosmos hat eine Finanzierungsrunde über 300 Millionen Euro abgeschlossen. Die Runde wurde von Lightrock angeführt, unter Beteiligung von ETF Partners, dem Institut Català de Finances, Entrepreneurs First, Convex Group, dem UK National Security Strategic Investment Fund, Phoenix Court, Claret Capital Partners sowie zwei ungenannten internationalen Pensionsfonds. Die Mittel fließen in die Skalierung der Satellitenproduktion sowie von Diensten für Erdbeobachtung, Kommunikation und Datenanalytik, um die steigende Nachfrage nach souveränen Satellitenkapazitäten zu bedienen. Das Unternehmen betreibt vier europäische Fabriken mit einer Kapazität von einem Satelliten pro Tag, beschäftigt rund 400 Mitarbeiter und hat in den letzten 3,5 Jahren Kundenverträge im Wert von über 370 Millionen US-Dollar unterzeichnet. Diese Investition spiegelt einen breiteren Boom bei der Finanzierung europäischer Space-Tech-Unternehmen wider, der auch durch The Exploration Company (450 Mio. USD Series C) und Isar Aerospace (270 Mio. € Series D) unterstrichen wird.
EU-Inc-Reform: Gründer und VCs warnen vor drohender Verwässerung
Eine Koalition europäischer Startup-Gründer und Venture-Capital-Investoren warnt in einem offenen Brief vor einer Verwässerung des geplanten 'EU Inc'-Unternehmensstatuts. Die von der EU-Kommission am 18. März 2026 vorgeschlagene Initiative soll einen einheitlichen Rechtsrahmen für Firmengründungen in allen 27 EU-Mitgliedstaaten schaffen – inklusive digitaler Gründung innerhalb von 48 Stunden und harmonisierter Mitarbeiterbeteiligungsprogramme (ESOP). Die Unterzeichner betonen, dass Kernpunkte wie ein zentrales Register, die Besteuerung von Stock Options erst bei Veräußerung sowie die freie Wahl des Firmensitzes nicht aufgeweicht werden dürfen, da die Rechtsform sonst unbrauchbar werde. Zu den Unterstützern zählen Top-VCs (u. a. Accel, Sequoia, Atomico) und Gründer von Scale-ups wie Mistral, ElevenLabs und Synthesia. Da die Trilog-Verhandlungen zwischen EU-Parlament und Rat vor der Winterpause in die finale Phase gehen, wächst der Widerstand nationaler Lobbys, darunter deutscher Notare.
Notarkosten-Debatte in Deutschland löst heftige Startup-Diskussion aus
Ein viral gegangener X-Post von Stripe-CEO Patrick Collison über die Erfahrung eines deutschen Gründers, der 30.000 Euro für einen eintägigen Notartermin zur Verlesung eines 90-seitigen Finanzierungsvertrags zahlen musste, hat eine breite Debatte über deutsche Bürokratiehürden ausgelöst. Investoren wie Andreas Helbig und Gründer wie Eric Demuth kritisierten die hohen Kosten und Ineffizienzen scharf. Der Deutsche Notarverein entgegnete, dass typische GmbH-Gründungen lediglich 600 bis 800 Euro kosten und eine Gebühr von 30.000 Euro ein Stammkapital von rund 16 Millionen Euro voraussetzt. Die Diskussion entfacht zudem Kritik an der Lobbyarbeit der Notare gegen das von der EU-Kommission vorgeschlagene ,28. Regime‘ (EU Inc.), das eine Online-Unternehmensgründung innerhalb von 48 Stunden für unter 100 Euro ermöglichen soll und das deutsche Notarsystem unter Druck setzt.
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