Beobachtetes Signal · 19. Juli 2026 · Regulation · Quelle: Horizont · Relevanz: 3/5 · Sentiment: Negativ
Verbraucherschützer fordern Regulierung statt Social-Media-Verbot für Minderjährige
Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) lehnt ein generelles Social-Media-Verbot für Minderjährige ab und fordert stattdessen eine strenge Regulierung süsslicher und manipulierender Plattformfunktionen. Ramona Pop, Mitglied des vzbv-Vorstands, plädiert gegenüber der Funke Mediengruppe für Verbote oder strenge Kontrollen von Mechanismen wie Autoplay, Endlos-Scrollen, automatischer Standortfreigabe und permanenter Kontaktanfragen. Ein noch unveröffentlichter Verbraucherreport belegt demnach, dass 81 Prozent der 14- bis 29-Jährigen eine stärkere Verantwortung der Plattformen anstelle eines Ausschlusses junger Nutzer befürworten. EU-kommissionierte Experten empfehlen derweil den beschränkten Zugang für unter 13-Jährige ohne pauschales Verbot. Auch die Bundesfamilienministerin Karin Prien spricht sich für einen differenzierten, europaweiten Ansatz aus.
Signalisiert wachsenden regulatorischen Druck in Europa auf Plattformen, engagement-treibende Mechanismen abzubauen, was direkte Auswirkungen auf ad-basierte Geschäftsmodelle und das Produkt-Design hat.
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Wichtigste Kernpunkte & Evidenz
- Der Verbraucherzentrale Bundesverband wendet sich gegen ein pauschales Social-Media-Verbot für Minderjährige.
- vzbv-Vorständin Ramona Pop fordert das Verbot oder die strenge Kontrolle von süsslicher und manipulierender Plattform-Mechaniken wie Autoplay und Infinite Scroll.
- Ein interner Verbraucherreport zeigt, dass 81% der 14- bis 29-Jährigen mehr Plattform-Verantwortung statt Altersausschluss bevorzugen.
- EU-Experten raten zu Zugangsbeschränkungen für unter 13-Jährige statt zu absoluten Verboten.
- Bundesfamilienministerin Karin Prien plädiert für eine differenzierte EU-Lösung.
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Verbraucherschützer fordern strengeren Jugendschutz auf Social-Media-Plattformen
Nach Metas US-Vergleich in Höhe von rund 16,7 Milliarden Dollar wegen mutmaßlicher Social-Media-Sucht bei Kindern fordern deutsche Verbraucherschützer strengere Schutzmaßnahmen für Minderjährige. Ramona Pop, Vorständin des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv), erklärte gegenüber dem RND, dass Zeitlimits, Nachtsperren und das Deaktivieren von Push-Benachrichtigungen den Nutzungsdruck zwar mindern, aber nicht ausreichen. Plattformen müssten nach dem Prinzip „Safety by Design“ aufgebaut sein, sodass potenziell riskante Features erst nach verifizierter Volljährigkeit freigeschaltet werden. Die Verantwortung dürfe zudem nicht allein den Eltern zugeschoben werden. Im Rahmen des Vergleichs sagte Meta weitreichende Anpassungen zu: Vorbehaltlich richterlicher Genehmigung sollen strengere Restriktionen und erweiterte Kontrolloptionen für Eltern auf Instagram und Facebook für zehn Jahre automatisch für minderjährige Nutzer greifen. Der Schritt erhöht auch in Europa den Druck zur systemischen Anpassung der Plattformarchitektur.
EU plant Social-Media-Verbot für unter 13-Jährige
Ein von der EU-Kommission eingesetztes Expertengremium empfiehlt ein vollständiges Social-Media-Verbot für Kinder unter 13 Jahren sowie gestaffelte Altersgrenzen bis 16 Jahre. Die Kommission plant, diese Empfehlungen bereits nach der Sommerpause – möglicherweise ab September – in einen verbindlichen Gesetzesvorschlag zu überführen. Dieser würde Plattformen dazu verpflichten, strikte Altersgrenzen und technische Altersverifikationssysteme einzuführen. Die Initiative folgt auf verschärfte Prüfungen suchtfördernder Design-Mechanismen und laufende Verfahren im Rahmen des Digital Services Act (DSA) gegen große Plattformbetreiber. Bei einer Verabschiedung müssten soziale Netzwerke ihre Onboarding-Prozesse, Verifikationsmethoden und Jugendschutzmaßnahmen grundlegend umgestalten. Dies hätte weitreichende Konsequenzen für Zielgruppengrößen, das Ad Targeting und die allgemeine Plattform-Compliance im gesamten europäischen Werbe- und Medienmarkt.
Deutscher Medienregulator spricht sich gegen generelles Social-Media-Verbot aus
Thorsten Schmiege, Präsident der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien und Vorsitzender von DLM und ZAK, hat sich in einem Interview gegen ein pauschales Verbot von Social Media für Jugendliche ausgesprochen. Er forderte stattdessen wirksame Schutzmaßnahmen für Minderheiten und warnte vor kategorischen Verboten, um die digitale Teilhabe nicht zu gefährden. Zudem äußerte er sich zur Lage bei ProSiebenSat.1 nach der MFE-Mehrheitsübernahme: Trotz programmatischer Kontinuität gebe es einen spürbaren Sparkurs infolge sinkender Werbeumsätze im klassischen Fernsehen. Das Abfließen von mehr als Hälfte der Werbebudgets an Big-Tech-Plattformen bezeichnete er als massives strukturelles Problem, das den Druck auf Broadcaster zur Kostensenkung und gleichzeitigen Zukunftsinvestitionen drastisch erhöht.
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