Beobachtetes Signal · 24. Juni 2026 · Interview · Quelle: The Drum · Relevanz: 2/5 · Sentiment: Neutral
Markenwert ist das wahre KI-Risiko, warnt Meghan Gendelman
Meghan Gendelman, B2B-Marketing-Chefin bei Canva, warnt davor, dass die unkritische Nutzung von KI im Marketing den Markenwert durch reinen Geschwindigkeits- und Mengenwahn erodieren lässt. Sie kritisiert, dass KI eine Content-Fabrik geschaffen habe, in der menschliches Urteilsvermögen oft auf der Strecke bleibt. Untersuchungen zufolge empfinden sieben von zehn Verbrauchern KI-generierte Werbung als seelenlos. Marken, die kurzfristige Performance über den langfristigen Aufbau von Brand Equity stellen, würden quasi gegen ihre eigene Substanz wirtschaften. Gendelman prognostiziert, dass sich bis Ende 2027 jene Marken messbar absetzen werden, die ihre Identität während der KI-Content-Welle bewahrt haben. Zudem plädiert sie für holistische Multi-Channel-Strategien und betont die emotionale Komplexität von B2B-Kaufentscheidungen.
Die Expertenanalyse eines führenden MarTech-Akteurs beleuchtet strategische Risiken beim KI-gestützten Content-Scale, was für Marken- und Messstrategien von hoher Relevanz ist, auch wenn es sich um kein regulatorisches oder technnisches Großereignis handelt.
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Wichtigste Kernpunkte & Evidenz
- Meghan Gendelman leitet das B2B-Marketing bei Canva und verantwortet dort Brand-Strategie sowie Demand Generation.
- Sie war Jurymitglied bei den The Drum B2B Awards für Marketing-Effektivität.
- Gendelman warnt, dass das Hauptrisiko von KI darin besteht, dass Tempo das menschliche Urteilsvermögen verdrängt.
- Laut zitiertem Research finden 70 Prozent der Verbraucher, dass KI-generierte Werbung keine Seele hat.
- Sie prognostiziert, dass sich Marken, die ihre Identität wahren, bis Ende 2027 messbar von reinen Volumen-Jägern abheben werden.
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Der Mensch bleibt im KI-gestützten Marketing unverzichtbar
An einem von Treasure AI mitverstalteten ADWEEK House Cannes Lions Marketing Vanguard Roundtable diskutierten führende Marketing-Executive, dass Künstliche Intelligenz zwar die menschliche Produktivität massiv steigert, aber menschliches Urteilsvermögen, Geschmack oder Authentizität nicht ersetzen kann. Zu den Diskussionsteilnehmern zählten Rafa Flores von Treasure AI, Tristan Pineiro von Grindr, Jennie Platt von TD Bank U.S., Roberto Stanichi von Mattel sowie Mickey Neuberger von Realtor.com. Sie betonten, dass Geschwindigkeit und KI-gestützte Execution inzwischen reine Basiskompetenzen sind. Die eigentlichen Kernaufgaben des Menschen bleiben demgegenüber die Priorisierung, Empathie und die Wahrung der Brand Authenticity. Zudem wurde die Rolle des CMO als zunehmend strategisch definiert: Er muss ganzheitliche Customer Experiences gestalten, die KI-Adoption im Unternehmen vorantreiben und datenbasierte Signale mit menschlicher Erfahrung sowie Instinkt austarieren.
KI-Paradoxon: Marketer vertrauen KI beim Mediaeinkauf, meiden Markenbildung
Marketingverantwortliche setzen Künstliche Intelligenz zunehmend für den programmatischen Mediaeinkauf, das Bidding und die Creative-Iteration ein, zeigen sich jedoch zurückhaltend, wenn es um Markenidentität, Tonalität oder Kernstrategien geht. Führungskräfte von Agenturen und Marken wie Ally Bank, Duluth und Mondelēz betonen den Nutzen von KI zur Effizienzsteigerung und Skalierung von Assets, fordern aber weiterhin menschliche Aufsicht für Brand Insights und Messaging. Aktuelle Marktforschungsergebnisse (Canva 2026 Report) belegen diese geteilte Haltung: Während 68 Prozent der Konsumenten KI-gestützte Personalisierung akzeptieren, bevorzugen 78 Prozent rein von Menschen erstellte Werbemittel. Obwohl Plattformen wie Google und Canva fortschrittliche generative KI-Marketingtools lancieren, bleibt die vollständige Übergabe der kreativen Markenhoheit an Algorithmen branchenweit die Ausnahme.
KI droht kreative Monokultur zu schaffen; Marken müssen sich differenzieren
Phillip Lomax, EVP of Business Development beim Media-Testinstitut MediaScience, warnt davor, dass der flächendeckende Einsatz von KI im Werbe-Creative zu einer „kreativen Monokultur“ führt, in der Kampagnen verschwimmen und Marken austauschbar werden. Lomax verweist auf MediaScience-Messungen, die eine schwache Performance bei B2B-Ads belegen, sowie auf eine Studie, wonach Konsumenten erkennbare KI-Audios ablehnen. Er argumentiert, dass unverwechselbare Brand Assets wie die Golden Arches von McDonald's und disziplinierte Brand Fundamentals die primären Schutzschilde gegen homogenisierte, KI-generierte Creatives sind. Lomax empfiehlt, KI als Werkzeug zu betrachten, das von Markenstrategien gesteuert wird, und prognostiziert eine Bifurkation digitaler Plattformen in humanzentrierte, auf Vertrauen ausgerichtete Erlebnisse und rein synthetische Umgebungen.
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