Beobachtetes Signal · 21. Okt. 2026 · Policy Update · Quelle: DWDL · Relevanz: 3/5 · Sentiment: Negativ
Zeit-Chefredakteur fordert Klagen gegen KI-Firmen
Beim Auftakt der 40. Medientage München forderte Jochen Wegner, Chefredakteur der Zeit, Klagen gegen KI-Unternehmen, die journalistische Inhalte ohne Erlaubnis für das Training ihrer Modelle nutzen. Er betonte, dass rechtliche Schritte notwendig, aber kein Geschäftsmodell seien, und rief die Medienbranche auf, auch die Chancen der KI zu nutzen. Wegner erwähnte, dass Die Zeit mit spezialisierten Firmen zusammenarbeitet, um unbefugte Zugriffe zu erkennen und zu blockieren, und dass innerhalb der Holtzbrinck-Gruppe Gespräche mit US-amerikanischen Buch- und Wissenschaftsverlagen laufen. Katja Wildermuth, BR-Intendantin, unterstrich die Prinzipien Autorisierung, Genauigkeit, Quellenzuordnung und Auffindbarkeit und verwies auf die regionale Stärke der ARD. Alexandra Borchardt, Medienexpertin, zeigte sich skeptisch, ob Lizenzdeals vor allem großen Häusern nutzen, und hält eine Unabhängigkeit von US-Tech-Konzernen für unrealistisch. Wegner verwies auf den erfolgreichen TikTok-Auftritt der Zeit mit über drei Millionen Nutzern und eine neue Abo-Videoserie als stärksten Abo-Treiber.
Führende europäische Medienvertreter fordern öffentlich rechtliche Schritte gegen KI-Firmen, was auf eine Eskalation bei Content-Lizenzstreitigkeiten hindeutet und Auswirkungen auf KI-Trainingspraktiken sowie die Abhängigkeit des AdTech von Publisher-Inhalten haben könnte.
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Wichtigste Kernpunkte & Evidenz
- Jochen Wegner, Chefredakteur der Zeit, forderte Klagen gegen KI-Unternehmen, die journalistische Inhalte ohne Erlaubnis nutzen.
- Die Zeit arbeitet mit spezialisierten Unternehmen zusammen, um unbefugte Zugriffe auf ihre Inhalte zu erkennen und zu blockieren.
- Die Zeit und Google führen ein Pilotprojekt durch, bei dem Google für die begrenzte Nutzung ausgewählter journalistischer Texte unter klaren vertraglichen Bedingungen zahlt.
- Katja Wildermuth, BR-Intendantin, betonte vier Prinzipien: Autorisierung, Genauigkeit, Quellenzuordnung und Auffindbarkeit journalistischer Inhalte.
- Das TikTok-Team der Zeit hat über drei Millionen Nutzer auf ihre Angebote gebracht.
- Eine neue fünfteilige Abo-Videoserie wurde zum erfolgreichsten Abo-Treiber in ihrer Erscheinungswoche.
Verknüpfte Unternehmen
5 verknüpfte Unternehmen“Jochen Wegner, Chefredakteur der Zeit, sprach über rechtliche Schritte gegen KI-Unternehmen und die eigenen KI-Initiativen der Zeitung.”
“Die Zeit tauscht sich innerhalb der Holtzbrinck-Gruppe mit amerikanischen Buch- und Wissenschaftsverlagen aus.”
“Die Zeit und Google führen ein Pilotprojekt durch, bei dem Google für die begrenzte Nutzung ausgewählter journalistischer Texte zahlt.”
“Katja Wildermuth hob die regionale Verankerung der ARD als vertrauensbildenden Vorteil hervor.”
“Die Zeit tauscht sich innerhalb der Holtzbrinck-Gruppe mit amerikanischen Buch- und Wissenschaftsverlagen aus.”
Ontologie & Marktkonzepte
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Deutsche Medienhäuser fordern faire Regeln für Plattformen und KI
Bei den Medientagen München diskutierten Vertreter aus Politik, öffentlich-rechtlichem Rundfunk, Privatfernsehen und Verlagswesen auf einem Panel des VAUNET über die wachsende Macht von Plattformen und KI-Anbietern. Einig waren sie sich in der Forderung nach fairen regulatorischen Rahmenbedingungen, besserer Auffindbarkeit journalistischer Inhalte und Maßnahmen gegen die unberechtigte Nutzung von Inhalten durch KI. Stefan Hilscher vom BDZV kritisierte die angekündigten Commercial Terms von Meta scharf und nannte die geplante Nutzung von Verlagsinhalten einen "Diebstahl auf höchster Ebene". Susanne Pfab von der ARD betonte eine "doppelte Gatekeeper-Position" von Plattformen und KI und plädierte für verstärkte Branchenkooperation.
Journalismus im KI-Verdacht: Zwischen gefälschten Zitaten und Detektionstools
Die Kolumne beleuchtet vier nahezu zeitgleiche Fälle im deutschsprachigen Raum, in denen Journalisten oder Autoren der unkritischen oder verschleierten KI-Nutzung beschuldigt wurden. Der Tagesspiegel entließ seinen Chefreporter Stephan-Andreas Casdorff wegen KI-generierter Meinungsbeiträge. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) löschte einen Gastbeitrag von Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt wegen erfundenen Zitaten. Axel-Springer-Chef Mathias Döpfner veröffentlichte eine in Welt erschienene Replik, die komplett von Googles Gemini stammte und laut eigener Aussage unredigiert blieb. Zudem warf der Plagiatsgutachter Stefan Weber dem NZZ-Deutschland-Chefredakteur Florian Eder basierend auf dem Detektionstool Pangram den Einsatz von KI vor. Der Autor kritisiert, dass KI-Erkennungstools lediglich statistische Indikatoren und keine Beweise sind, und warnt vor einer unkritischen Rolle von KI als Ankläger, die die journalistische Qualität gefährdet. Der Deutsche Presserat lehnt derweil eine pauschale Kennzeichnungspflicht für KI im Journalismus ab.
Frankfurter Appell: 140 Verlage fordern KI-Transparenz
Am Eröffnungstag der Frankfurter Buchmesse haben 140 Verlage und Organisationen der Buchbranche, koordiniert vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels, den 'Frankfurter Appell' veröffentlicht. Sie fordern strengere Regeln für KI-Unternehmen, die urheberrechtlich geschützte Werke ohne Zustimmung oder Vergütung für das Training generativer Modelle nutzen. Zentral sind mehr Transparenz über verwendete Inhalte, durchsetzbare Rechte und ein fairer Lizenzmarkt. Die Verlage kritisieren, dass bestehende Regelungen, einschließlich der EU-KI-Verordnung, hinter den Anforderungen zurückbleiben. Unterstützt wird der Appell von großen deutschen Verlagen wie Penguin Random House, Holtzbrinck und S. Fischer sowie von internationalen Verbänden wie der FEP und der IPA. Die Initiative soll auch Medienhäusern als Vorbild dienen, die ähnliche Probleme mit KI-Plattformen haben.
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